Mit dem Peugeot 208 auf den Spuren der Rallye Monte Carlo

Das Glück liegt in der nächsten Kurve

Inspiriert durch das vor kurzem erschienene Magazin CURVES „Route des Grandes Alpes“ von Stefan Bogner machten wir uns auf nach Südfrankreich. Eigentlich sollte die Tour ganz wie zu Beginn von Walter Röhrls Karriere stilecht im Redaktions-Fahrzeug, einem Opel Commodore GS/E, abgefahren werden. Doch kurz vor der Tour bockte der 160-PS-Einspritzer plötzlich. Kurzfristiges Umdisponieren war jetzt gefragt...

 

Schade eigentlich, denn die 160 Pferde hätten eine Menge Freude auf der kurvenreichen Strecke versprochen. Unser Fotograf Marcus wollte schon immer mal mit einer Citroen DS durch Frankreich reisen. Warum also nicht etwas Französisches? Ein Anruf bei PSA in Köln brachte leider nicht das gewünschte, zugegeben etwas zu euphorische, Erlebnis einer Tour in Marcus‘ Traumwagen. Auch dem in die Jahre gekommen Museums-DS möchte man die vielen Kilometer nicht mehr zumuten. Alternativ könnten wir aber einen Peugeot 208 haben. Einen Kleinwagen? Während ich noch am Überlegen war, ob ich nicht doch den Commodore wieder startklar machen könnte, sagte Marcus der PSA-Presseabteilung spontan zu.
Da stand er nun, ein Peugeot 208 in knalligem orange-metallic auf 17-Zoll-Winterreifen. Richtig, wir wollen ja in die Berge. Auch die Motorisierung war für unser Vorhaben angemessen: 156 PS bringt der 1.6-Liter-Turbobenziner auf die Vorderachse. Sogar das Drehmoment von 240 Nm entspricht dem des Commodore. Warum also nicht, schließlich bietet die Peugeot-Rennsportabteilung mit dem 208 R2 auch den Einstieg in den Rallye-Sport.

Entspannt machen wir uns auf den Weg Richtung Frankreich. Es ist Mitte Oktober und der Provence-Himmel zeigt ein strahlendes Blau. Wir haben Glück: Das perfekte Wetter für unsere Fotoreportage.
Unsere Streckenführung führt von Hamburg über Köln nach Grenoble, wo wir am späten Abend im Hotel einchecken, um am nächsten Morgen gut ausgeruht zum ersten Point of Interest aufzubrechen. Nach fünf Stunden Fahrt erreichen wir am Nachmittag die atemberaubende Schlucht von Aiglun. Zuerst erwartet uns eine Brücke über den Fluss, danach folgen zwei Tunnel hintereinander. Die Straße ist einspurig, links die überhängende Felswand, rechts geht es mehrere hundert Meter in die Tiefe. Zwischen den beiden Tunneln halten wir für das obligatorische Foto. Während ich am liebsten schnell durchgebrettert wäre, sucht Marcus in aller Ruhe nach dem perfekten Winkel für das Foto. Und wie es natürlich kommen musste, fährt uns eine Mercedes G-Klasse entgegen. Spätestens jetzt weiß ich die Rückfahrkamera zu schätzen. Also einmal rückwärts durch den Tunnel und auf der Kehre zwischen Brücke und Unterführung den Gegenverkehr durchlassen. Ein paar Schweißperlen später sind die Fotos im Kasten und wir können ins Tal und Richtung Nizza rollen. Am nächsten Tag geht es zum Col de Turini, dem Highlight der Rallye Monte Carlo.
Auf das französische Frühstück im Hotel verzichten wir bewusst und versorgen uns lieber in Boulangerie und Patisserie mit reichlich lokalen Spezialitäten. Bei einer Brotzeit in den Bergen kann man anschließend bei herrlichstem Sonnenschein die Route studieren und sich auf die letzten Kilometer vor dem immer steiler werdenden Anstieg zum Pass konzentrieren.
Die Passhöhe des Col de Turini liegt im Département Alpes-Maritimes auf einer Höhe von 1607 Metern. Hierhin führt jährlich eine Etappe der Rallye Monte Carlo, sie wird ehrfürchtig als „Nacht der langen Messer“ bezeichnet. Die Gegend wirkt zu dieser Jahreszeit fast menschenleer. Kaum Touristen. Das Hotel auf dem Gipfel wirkt gespenstisch verlassen. In einem verwitterten Holzrahmen kleben hinter Glas Fotos mit den Rallye-Ereignissen der letzten Jahre. Hier steigt sie also, die große Rallye-Party, aber erst im Winter.

 

Wir fahren noch ein wenig weiter bergauf auf knapp 1800 Meter - wegen der wunderschönen Aussicht. In diesem Moment muss ich an ein Interview mit Walter Röhrl denken, das ich einige Tage vor der Reise im Netz gesehen habe, indem er sagte: „Vor zwei Jahren bin ich im Sommer mit nach Monte Carlo gefahren. Da fuhren wir mit einer Reisegruppe über die Prüfungen, blieben immer wieder stehen und stiegen aus. Ich erzählte dann von meinen Erlebnissen. Da habe ich zum ersten Mal Augen gehabt dafür, wie schön es dort eigentlich ist. Vorher habe ich das nie gesehen.“
Nach diesen Eindrücken machen wir uns wieder auf den Weg über zahlreiche spektakuläre Kehren und Kurven zurück ins Tal nach Menton, wo uns die CURVES mit einem Restauranttipp für typisch provenzalische Küche lockte. Leider kommen wir zu spät. Ein großes Zu-Vermieten-Schild im verlassenen Gasthaus vermiest uns den schönen Ausklang des Tages in den Bergen. Macht aber nichts, die gesparte Zeit investieren wir in einen kurzen Abstecher nach Monaco, wo wir den erlebnisreichen Tag Revue passieren lassen und bei einem Glas Rotwein die zahlreichen Fotos auf dem Notebook sichten.

 

Resümee: Auch wenn wir es anfangs nicht gedacht hätten, der kleine Franzose ist uns während der knapp 4000 km doch ans Herz gewachsen. Spritzig im Anzug, straff und direkt in den Serpentinen und komfortabel auf der Autobahn. Und das Ganze mit unter 6 Litern Verbrauch auf 100 km. Der Commodore hätte sich das Doppelte gegönnt. Aber über den Verbrauch spricht man ja bei Oldtimern bekanntlich nicht – man hat ihn.

 


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